Hamudi - Eine Sprache voller Zauber und Mysterien
Die hamudische Sprache – ein kleiner Sprachführer
Die Amtssprache des Scheichtums Hamudistan ist Hamudi, eine traditionsreiche Sprache, deren Ursprünge sich im Sand der Geschichte verlieren. Sprachwissenschaftler vermuten Einflüsse des Arabischen, Persischen und verschiedener anderer Sprachen. Einige behaupten sogar, deutliche Spuren des Deutschen entdeckt zu haben. Die hamudische Akademie der Wissenschaften weist diese Unterstellung entschieden zurück.
Hamudi gilt als ausgesprochen lebendige Sprache. Neue Wörter entstehen häufig spontan, ältere verändern ihre Bedeutung je nach Wetterlage, und manche Ausdrücke gelten bereits als historisch, bevor sie überhaupt zum ersten Mal ausgesprochen wurden.
Die folgenden Beispiele sollen Besuchern einen kleinen Einblick in den sprachlichen Reichtum Hamudistans ermöglichen.
Ausgewählte Wörter des Hamudi
Schawarmageddon
Die katastrophalen Folgen eines außer Kontrolle geratenen Schawarma-Gelages. Kann sowohl den Zustand der Speisetafel als auch den des Verdauungstraktes bezeichnen.
Falafelosoph
Ein Gelehrter, der sich mit den großen Fragen des Lebens beschäftigt, vorzugsweise bei einer Portion Falafel. Die bekannteste philosophische Streitfrage lautet: „Was war zuerst da – die Falafel oder die Kichererbse?“
Couscoustrophe
Eine unvorhergesehene Katastrophe bei der Zubereitung von Couscous. Im übertragenen Sinne auch für kleinere Regierungskrisen gebräuchlich, insbesondere wenn diese unter den Teppich gekehrt werden sollen.
Baklavalanche
Eine Lawine aus Baklava, die üblicherweise bei Familienfesten auftritt. Ihre Opfer ergeben sich ihrem Schicksal in der Regel widerstandslos.
Simsalasalat
Ein Gericht, dessen Zutaten niemand mehr genau bestimmen kann, das aber durch die großzügige Verwendung orientalischer Gewürze trotzdem ausgezeichnet schmeckt.
Habibifant
Ein besonders liebenswerter, aber etwas unbeholfener Zeitgenosse, dessen gut gemeinte Hilfsbereitschaft regelmäßig größere Schäden verursacht als das ursprüngliche Problem.
Fata Morgähn
Ein Zustand geistiger Abwesenheit während langwieriger Regierungssitzungen. Betroffene sehen gelegentlich die baldige Beendigung der Sitzung vor sich, obwohl diese noch mehrere Stunden entfernt ist.
Inschallahmatik
Ein Zweig der hamudischen Verwaltungswissenschaft, der sich mit der Berechnung des wahrscheinlichen Zeitpunkts der Erledigung behördlicher Vorgänge beschäftigt. Die Ergebnisse liegen gewöhnlich zwischen „morgen“ und „so Gott will“.
Wesirrwarr
Eine unübersichtliche politische Situation, die durch das gleichzeitige Wirken mehrerer Wesire oder durch die Aktivitäten eines besonders ehrgeizigen Wesirs entsteht.
Sultanfall
Der plötzliche Verlust politischer Bedeutung, insbesondere nach einem missglückten Versuch, Scheich anstelle des Scheichs zu werden. In Hamudistan bislang ausschließlich theoretisch untersucht.
Gebräuchliche Redewendungen
Die hamudische Sprache ist reich an bildhaften Redensarten, deren Bedeutung sich Besuchern nicht immer unmittelbar erschließt.
„Das Kamel ist noch nicht durch den Basar.“
Die Angelegenheit ist noch nicht entschieden. Eine Warnung vor voreiligen Schlussfolgerungen, besonders bei Regierungsbeschlüssen.
„Er zählt die Sandkörner des Scheichs.“
Jemand beschäftigt sich mit einer vollkommen sinnlosen Aufgabe, die jedoch von höchster Stelle angeordnet wurde.
„Möge dein Kaffee niemals kalt und dein Antrag niemals vollständig sein.“
Ein traditioneller Gruß unter hamudischen Verwaltungsbeamten. Der erste Teil gilt als guter Wunsch, der zweite als Arbeitsplatzgarantie.
„Einen Teppich über die Dünen legen.“
Der Versuch, ein Problem zu verbergen, dessen Ausmaß längst für jeden erkennbar ist. Besonders häufig im politischen Sprachgebrauch.
„Inschallah, aber nicht vor Donnerstag.“
Eine verbindliche Terminzusage nach hamudischem Verständnis. Der betreffende Donnerstag wird bewusst nicht näher bezeichnet.
„Der Wesir hat schon wieder den Thron vermessen.“
Eine diskrete Umschreibung für übertriebene Machtambitionen. Die Redewendung wird in Gegenwart des Wesirs vorsichtshalber vermieden.
Besonderheiten der hamudischen Grammatik
Die Grammatik des Hamudi ist von bemerkenswerter Flexibilität. So können Aussagen je nach gesellschaftlicher Stellung des Sprechers als Feststellung, Vorschlag, Befehl oder unverbindliche Empfehlung verstanden werden.
Besonders ausgeprägt ist der sogenannte herrschaftliche Konjunktiv. Während ein gewöhnlicher Hamudistani sagt: „Es könnte regnen“, erklärt der Scheich: „Es wird regnen.“ Bleibt der Regen aus, gilt die Aussage dennoch als richtig, da der Himmel offensichtlich seine Pflichten vernachlässigt hat.
Auch die hamudische Zeitrechnung schlägt sich in der Sprache nieder. Das Wort „sofort“ bezeichnet einen Zeitraum von wenigen Augenblicken bis zu mehreren Wochen. „Morgen“ ist dagegen kein bestimmter Tag, sondern eine grundsätzliche Absichtserklärung.
Die hamudische Akademie der Wissenschaften arbeitet seit vielen Jahren an einem verbindlichen Wörterbuch. Die Veröffentlichung wurde mehrfach angekündigt und zuletzt auf morgen verschoben.
Inschallah.