Presseschau

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Hamudistans Scheich erklärt Internetbetrügern den Krieg – und bringt sie um ihr Geld

Hamudabad – Während weltweit Millionen Menschen unter den Machenschaften skrupelloser Internetbetrüger leiden, hat Seine Erhabene Hoheit, der weise Scheich von Hamudistan, eine ebenso ungewöhnliche wie erfolgreiche Strategie entwickelt: Er lässt sich nicht betrügen, sondern betrügt die Betrüger. Internationale Sicherheitsexperten zeigen sich erstaunt, das hamudische Finanzministerium begeistert.

Ein nigerianischer Prinz trifft auf seinen Meister

Alles begann mit einer unscheinbaren E-Mail, die den Scheich eines Morgens erreichte. Absender war ein angeblicher nigerianischer Prinz, der nach dem tragischen Ableben seines Vaters dringend Hilfe benötigte, um ein Vermögen von 75 Millionen US-Dollar außer Landes zu schaffen. Für seine Unterstützung sollten dem Scheich großzügige 20 Prozent der Summe zufallen. Lediglich eine geringe Bearbeitungsgebühr von 2.500 Dollar sei vorab zu entrichten.

Der Scheich erkannte sofort, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte, und antwortete dennoch umgehend. Er teilte dem vermeintlichen Prinzen mit, dass er als Herrscher eines traditionsreichen Scheichtums selbstverständlich bereit sei, einem Mitglied einer befreundeten Herrscherdynastie beizustehen. Allerdings verbiete das hamudische Hofprotokoll die Überweisung von Geldern an ausländische Adlige, deren Adelstitel nicht zuvor offiziell anerkannt worden seien. Die Anerkennung sei erfreulicherweise unkompliziert und koste lediglich 3.000 Dollar.

Der angebliche Prinz zeigte sich interessiert, verlangte jedoch zunächst die Überweisung seiner eigenen Bearbeitungsgebühr. Daraufhin erklärte der Scheich, dass die Gebühr des Prinzen selbstverständlich aus dem künftigen Erbe bezahlt werden könne. Die hamudische Anerkennungsgebühr sei dagegen aufgrund eines dreihundert Jahre alten Hofgesetzes grundsätzlich im Voraus zu entrichten. Nach drei Wochen intensiver Korrespondenz, elf ausgetauschten Formularen und mehreren gefälschten Adelstiteln überwies der vermeintliche Prinz schließlich 300 Dollar als Anzahlung. Anschließend brach der Kontakt ab.

Der Scheich ließ die Summe der Staatskasse zuführen und erklärte den Vorfall zum ersten erfolgreichen Fall internationaler Betrugsbekämpfung durch höfische Bürokratie. „Ein Prinz, der 75 Millionen Dollar besitzt, aber keine 3.000 Dollar für seine Anerkennung aufbringen kann, ist entweder kein Prinz oder benötigt dringend einen Finanzminister.“ Das hamudische Außenministerium prüft seither, ob die Ernennung ausländischer Internetbetrüger zu Ehrenadligen als zusätzliche Einnahmequelle erschlossen werden kann.

Die große Liebe und die kleine Überweisung

Wenige Wochen später erhielt der Scheich eine Nachricht von einer bemerkenswert attraktiven jungen Dame, die ihn auf einer internationalen Kontaktplattform entdeckt hatte. Sie erklärte, sich auf den ersten Blick unsterblich in ihn verliebt zu haben. Besonders seine warmherzigen Augen und sein sympathisches Lächeln hätten es ihr angetan. Dem Scheich fiel auf, dass sein Profilbild ausschließlich seinen Turban von hinten zeigte.

Dennoch entwickelte sich eine angeregte Korrespondenz. Die junge Dame berichtete von ihrer tragischen Lebensgeschichte, ihrer Sehnsucht nach wahrer Liebe und ihrem dringenden Wunsch, den Scheich persönlich kennenzulernen. Leider fehlten ihr 1.800 Euro für das Flugticket. Der Scheich erklärte, er sei von ihrer Zuneigung zutiefst gerührt. Selbstverständlich werde er keine Kosten scheuen, um die Angebetete nach Hamudistan zu holen. Allerdings könne eine künftige Gemahlin des Scheichs nicht einfach mit einem gewöhnlichen Linienflug anreisen. Das Hofprotokoll verlange eine standesgemäße Ankunft mit einer eigens entsandten königlichen Karawane. Er habe daher bereits zwölf Kamele, acht Leibwächter, drei Hofdamen und einen erfahrenen Karawanenführer auf die Reise geschickt.

Die junge Dame fragte vorsichtig, wie lange eine Kamelkarawane bis nach Europa benötige. Der Scheich antwortete, dies hänge wesentlich davon ab, ob die Tiere unterwegs seekrank würden. Als die Dame erneut um Geld bat, erklärte er, die Karawane benötige dringend ein aktuelles Passfoto für die Grenzformalitäten. Bedauerlicherweise lehne das hamudische Innenministerium gewöhnliche Fotografien ab. Erforderlich sei ein Bild der zukünftigen Braut, auf dem sie eine aktuelle Tageszeitung in der linken Hand und eine ungekochte Kartoffel in der rechten halte.

Die anschließende Funkstille dauerte mehrere Tage. Schließlich erhielt der Scheich eine Nachricht, in der die angebliche Verehrerin ihm mitteilte, sie habe inzwischen einen anderen Mann kennengelernt. „Bedauerlich“, kommentierte Seine Erhabene Hoheit. „Aber immerhin hat sie mir die Kosten für dreizehn weitere Kamele erspart.“

Microsoft ruft im Goldenen Palast an

Ein weiterer Betrugsversuch ereignete sich, als ein angeblicher Mitarbeiter des technischen Kundendienstes von Microsoft im Goldenen Palast anrief. Der Anrufer erklärte in besorgtem Tonfall, der Computer des Scheichs sei von einer gefährlichen Schadsoftware befallen. Um größere Schäden zu verhindern, müsse unverzüglich ein Fernwartungsprogramm installiert werden.

Der Scheich zeigte sich außerordentlich beunruhigt. „Eine Katastrophe! Auf diesem Computer befinden sich sämtliche Staatsgeheimnisse Hamudistans!“ Der vermeintliche Techniker versicherte, die Probleme binnen weniger Minuten beheben zu können. Zunächst müsse der Scheich jedoch eine bestimmte Tastenkombination drücken. Dieser erklärte, die Anweisung pflichtbewusst ausgeführt zu haben, woraufhin sein Bildschirm schwarz geworden sei. Nach längerer Fehlersuche stellte sich heraus, dass der Scheich die Tastenkombination auf einem Taschenrechner eingegeben hatte.

Der Anrufer verlangte nun, mit einem richtigen Computer verbunden zu werden. Daraufhin ließ der Scheich einen alten Rechner aus dem königlichen Technikmuseum herbeischaffen. Das Gerät verfügte über ein Diskettenlaufwerk, 640 Kilobyte Arbeitsspeicher und das ehrwürdige Betriebssystem MS-DOS. Der Techniker bat darum, einen Internetbrowser zu öffnen. Der Scheich erklärte, der Computer besitze keinen solchen, aber man könne die benötigte Software sicherlich per Diskette zusenden.

Nach weiteren 40 Minuten bat der Anrufer entnervt darum, mit dem zuständigen Systemadministrator sprechen zu dürfen. Dieser erklärte, er benötige zunächst eine schriftliche Serviceanfrage, einen Nachweis über die technische Zuständigkeit sowie eine vom hamudischen Ministerium für digitale Angelegenheiten beglaubigte Kopie des Arbeitsvertrages. Daraufhin wurde die Verbindung unterbrochen.

Der Scheich wertete den Vorfall als vollständigen Erfolg. „Wir haben einen schweren Cyberangriff abgewehrt, ohne auch nur einen Computer mit dem Internet verbinden zu müssen. Das ist wahre IT-Sicherheit.“ Das Ministerium für digitale Angelegenheiten arbeitet seither an einem Sicherheitskonzept, bei dem sämtliche staatlichen Computer vorsorglich durch Taschenrechner ersetzt werden sollen.

Eine sensationelle Investition in Kryptowährungen

Besonders ehrgeizig zeigte sich ein selbst ernannter Finanzexperte, der dem Scheich eine exklusive Investitionsmöglichkeit in eine neuartige Kryptowährung namens DesertMoonCoin anbot. Die digitale Währung werde ihren Wert innerhalb weniger Wochen verhundertfachen. Ein Verlust sei praktisch ausgeschlossen.

Der Scheich zeigte sich beeindruckt und erklärte, Hamudistan verfüge ebenfalls über eine innovative nationale Währung, den hamudischen Sanddinar. Dessen Wert sei durch die nahezu unbegrenzten Sandreserven des Landes abgesichert. Der angebliche Finanzexperte witterte sofort eine Gelegenheit und schlug vor, zunächst 50.000 Dollar in DesertMoonCoin zu investieren.

Der Scheich erklärte, er sei bereit, sogar eine Million Dollar einzusetzen. Allerdings müssten gemäß hamudischem Währungsrecht sämtliche ausländischen Finanzberater zunächst eine Sicherheitsleistung hinterlegen. Diese betrage lediglich ein Prozent des geplanten Investitionsvolumens. Der Finanzexperte antwortete, eine solche Vorgehensweise sei ungewöhnlich. „Das ist interessant“, entgegnete der Scheich. „Denn genau das haben Sie über Ihre eigene Investition gesagt.“

Nach mehreren weiteren Nachrichten verschwand der angebliche Experte spurlos. Der Scheich ließ anschließend im Wirtschaftsministerium untersuchen, ob sich der Sanddinar tatsächlich als Kryptowährung vermarkten ließe. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die zugrunde liegenden Sandreserven zwar ausgezeichnet seien, sich aber nur schwer in eine Blockchain einfügen ließen. Das Ministerium schlug daraufhin vor, die Blockchain stattdessen aus Sandstein zu errichten.

Der Enkeltrick scheitert an der königlichen Familiengeschichte

Eine besonders bemerkenswerte Episode ereignete sich, als der Scheich einen Anruf eines angeblichen Enkels erhielt. „Großvater, ich bin es!“, rief eine aufgeregte Stimme. „Ich hatte einen schweren Unfall und brauche dringend Geld!“ Der Scheich zeigte sich bestürzt. „Mein lieber Junge! Was ist geschehen?“ Der Anrufer erklärte, er befinde sich bei der Polizei und müsse sofort 10.000 Euro bezahlen, um einer Verhaftung zu entgehen.

Der Scheich versprach umgehend seine Hilfe, wollte jedoch zunächst wissen, um welchen seiner Enkel es sich handele. „Na, dein Lieblingsenkel!“ – „Ah, natürlich!“, erwiderte der Scheich. „Dann bist du also Prinz Abdul-Hamud ibn Suleiman al-Dattel?“ – „Genau der!“

Der Scheich seufzte tief. „Wie bedauerlich. Prinz Abdul-Hamud ibn Suleiman al-Dattel ist leider bereits vor 140 Jahren verstorben. Seine Rückkehr wäre zwar eine erfreuliche Nachricht für unsere Dynastie, wirft aber gewisse erbrechtliche Fragen auf.“

Der Anrufer legte auf. Das hamudische Justizministerium untersucht inzwischen, ob der Vorfall als versuchte Erschleichung einer königlichen Erbschaft einzustufen ist.

Ein Paket, das niemals bestellt wurde

Auch ein angeblicher Paketdienst versuchte sein Glück beim Scheich. In einer Kurznachricht wurde mitgeteilt, eine wichtige Sendung könne wegen unvollständiger Adressangaben nicht zugestellt werden. Zur Freigabe sei lediglich eine geringe Gebühr zu entrichten.

Der Scheich antwortete, er erwarte tatsächlich ein außerordentlich wertvolles Paket. Es enthalte die neue Krone für sein Lieblingskamel sowie zwölf vergoldete Futtertröge. Allerdings sei die Lieferanschrift keineswegs unvollständig. Das Paket müsse lediglich an den Goldenen Palast, dritte Palme links, hinter dem großen Springbrunnen, zugestellt werden.

Der angebliche Paketdienst verlangte erneut eine Zahlung. Der Scheich entgegnete, er könne die Gebühr leider erst begleichen, wenn der Zusteller das Paket persönlich übergeben habe. Schließlich müsse die Sendung zunächst vom königlichen Kamel auf ihre Echtheit überprüft werden. Nach einigen weiteren Nachrichten bot er dem Paketdienst eine außergewöhnliche Geschäftsmöglichkeit an: Für eine geringe Vermittlungsprovision könne dieser künftig sämtliche Lieferungen an den Goldenen Palast übernehmen. Eine entsprechende Lizenz koste lediglich 5.000 Dollar.

Eine Antwort blieb aus. Das Lieblingskamel des Scheichs wartet bis heute auf seine Krone.

Hamudistan gründet eine Behörde zur Bekämpfung des Internetbetrugs

Angesichts dieser bemerkenswerten Erfolge beschloss der Scheich die Einrichtung einer neuen staatlichen Institution: der Hamudistanischen Zentralstelle zur Bekämpfung digitaler Täuschung und unerlaubter Bereicherung, kurz HAZBEDTUB.

Die Behörde soll künftig sämtliche Betrugsversuche erfassen, analysieren und nach Möglichkeit in zusätzliche Einnahmen für die Staatskasse umwandeln. Das Wirtschaftsministerium begrüßte diese Initiative ausdrücklich. Man prüfe, ob sich durch die gezielte Beantwortung betrügerischer Nachrichten neue Exportmärkte für hamudische Adelstitel, diplomatische Sondergenehmigungen und Sanddinar erschließen ließen.

Der Scheich betonte jedoch, dass der Schutz seiner Untertanen stets Vorrang habe. „Kein Bürger Hamudistans soll jemals wieder sein Geld an einen Betrüger verlieren. Dafür haben wir schließlich eine eigene Steuerverwaltung.“ Auf Nachfrage erklärte der Regierungssprecher, der letzte Satz sei selbstverständlich nicht als Kritik am hamudischen Steuersystem zu verstehen.

Der größte Betrugsversuch steht noch bevor

Zum Abschluss einer Pressekonferenz wurde der Scheich gefragt, ob er angesichts seiner zahlreichen Erfolge nicht befürchte, eines Tages selbst Opfer eines besonders raffinierten Betrügers zu werden. Seine Erhabene Hoheit lächelte milde. „Ich habe nigerianische Prinzen überlistet, falsche Finanzberater vertrieben, internationale Computerexperten zur Verzweiflung gebracht und sogar einen seit Jahrhunderten verstorbenen Enkel erkannt. Wer sollte mich da noch betrügen können?“. Wie berechtigt diese Zuversicht war, zeigte sich nur wenige Tage später, als ein besonders dreister Betrugsversuch innerhalb der hamudischen Verwaltung bekannt wurde.

Khalid Al-Hamad Abu al-Zahma, der zuverlässige Ansprechpartner des Scheichtums für Logistik, Transport, Anreise und öffentliche Verkehrsmittel, hatte von einem ausländischen Geschäftsmann ein außergewöhnlich günstiges Angebot erhalten: Für lediglich fünf Millionen Dollar könne Hamudistan eine bereits vollständig geplante Brücke zwischen Iran und Persien erwerben. Khalid erkannte sofort die strategische Bedeutung dieses Angebots. Schließlich würde eine solche Brücke die Reisezeiten zwischen den beiden Ländern erheblich verkürzen und dem hamudischen Transitverkehr völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Zusicherung des Verkäufers, dass die Brücke vollkommen wartungsfrei sei und bislang keinerlei Reparaturkosten verursacht habe.

Nach zähen Verhandlungen gelang es Khalid, den Kaufpreis auf drei Millionen Dollar zu reduzieren. Stolz auf seinen Verhandlungserfolg überwies er die geforderte Anzahlung von 250.000 Dollar und informierte anschließend den Scheich über die bevorstehende Erweiterung der hamudischen Verkehrsinfrastruktur. Der Scheich betrachtete die vorgelegten Unterlagen, studierte die Landkarte und fragte schließlich, ob Khalid sich darüber im Klaren sei, dass Iran und Persien zwei Bezeichnungen für dasselbe Land seien. Es folgte eine längere Stille. Khalid erklärte daraufhin, dies mache die Brücke eigentlich noch attraktiver, da man auf diese Weise gleich zwei Grenzübergänge einsparen könne. Der Scheich ließ diese Argumentation nicht gelten und ordnete eine Untersuchung an. Dabei stellte sich heraus, dass weder die Brücke noch der Verkäufer existierten. Lediglich die Anzahlung war tatsächlich erfolgt.

Das hamudische Verkehrsministerium bemühte sich um Schadensbegrenzung und erklärte, es handele sich keineswegs um einen Betrugsfall, sondern um eine frühzeitige Investition in eine bislang noch nicht erschlossene Verkehrsverbindung. Der Scheich zeigte sich weniger überzeugt. „Eine Brücke zwischen Iran und Persien! Als Nächstes kauft er uns noch einen Tunnel von Hamudabad nach Hamudabad!“, Khalid erhielt daraufhin eine schriftliche Verwarnung und wurde verpflichtet, bei künftigen Infrastrukturprojekten vor Vertragsabschluss grundsätzlich zu überprüfen, ob die verbundenen Orte tatsächlich voneinander verschieden seien.

Die hamudische Regierung erklärte den Vorfall dennoch zu einem Erfolg ihrer nationalen Betrugsbekämpfung. Immerhin sei es gelungen, einen Betrug über fünf Millionen Dollar auf einen tatsächlichen Schaden von lediglich 250.000 Dollar zu begrenzen.

Khalid Al-Hamad Abu al-Zahma steht den Bürgern und Besuchern Hamudistans auch weiterhin als zuverlässiger Ansprechpartner für Logistik, Transport und die Organisation von Transfers zur Verfügung.

Von Anfragen zu Brückenprojekten bittet er jedoch vorläufig abzusehen.

Hamudistanische Staatliche Nachrichtenagentur (HSNA) – Unabhängige Berichterstattung im Rahmen der staatlich genehmigten Wahrheit.